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Stickfuß

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Freitag, 19. August 2016, 17:35

Erfahrungsbericht Janome Coverlock cover pro 2000 cpx

Hallo an die Gemeinde!

Nach nur mäßigen bis nicht zufriedenstellenden Ergebnissen
in der Verarbeitung von Stretchstoffen mit meinen anderen Maschinen, legte ich
mir im März dieses Jahres diese Coverlockmaschine von Janome zu (Bild 1). Da
ich bereits eine kombinierte Näh/Stickmaschine hatte, war für mich klar, dass
ich keine Kombimaschine mehr kaufen werde. Egal wie elegant eine Maschine daher
kommt, wenn sie nicht schnell und bequem zu handeln ist, ist sie einfach nicht
gut. Nach den obligatorischen Recherchen fiel meine Wahl auf die Maschine von
Janome. Der Vollständigkeit halber: Eine Coverlock ist eine Verwandte der
Overlock ohne Messer und kann auch in der Fläche des Stoffes und mit bis zu
drei Nadeln steppen. Entsprechend rüde ist auch ihre Laufkultur. Nach dem
Auspacken machte ich gleich mal kurzen Prozess, griff in den Abfallsack und
steppte mit sportlichem Tempo, was mir in die Hände kam, ohne auch nur an
irgendwelche Einstellungen zu denken. Nach einer guten viertel Stunde gab ich
auf. Die Ergebnisse konnten sich wirklich sehen lassen. Bei den Stretchmaterialien
nähte sie sogar fehlerfrei. Bei festen Stoffen kam es gelegentlich zu
Fehlstichen, die die Naht praktisch unbrauchbar machen. Der Trend setzte sich
so auch bei meinen regulären Projekten fort. Trotz eines zusätzlichen
Spannungsumschalters (Abb. 3 , 2. v. rechts) und Vergrößerung der Stichlänge,
war das Problem nicht ganz zu beseitigen. Man muss sich mit dieser Maschine
etwas einarbeiten, weil sich die größeren Transporteure mit den großen Latschen
von Füßen etwas anders nähen als herkömmliche Nähmaschinen. Genäht werden
können ein dreifacher Coverstich (mit 3 Nadeln Abb. 2), ein zweifacher und ein
Kettenstich (flexibel und strapazierfähig mit nur einer Nadel, als Zusatzstich
bei Jeans öfter ersichtlich). Als Garn hat sich bei mir Overlockgarn am besten
bewährt. Bei normalem Nähgarn kam es öfter zu Fadenrissen. Das Einfädeln des
Garns gestaltet sich sehr einfach (Abb. 4). Das mitgelieferte Einfädelwerkzeug
für das Einfädeln der Nadeln ist allerdings für die Katz'. Mit der Pinzette
oder dem Prym Einfädler für eine Overlock (wer es hochherrschaftlich mag) geht
das deutlich schneller. Das Wechseln der Nadeln geht etwas komfortabler als bei
einer Overlock. Die richtige Reihenfolge ist da von Vorteil. Die
Bedienungsanleitung fordert die Nerven heraus, weil auf jeder Seite die
Übersetzung in eine andere Sprache integriert ist. Die Strichzeichnungen sind dafür
sehr klar und übersichtlich und machen an vielen Stellen den Text auch
überflüssig. Empfehlen würde ich nicht, die Maschine "nackig" zu
kaufen, d.h. ohne weiteres Zubehör. Im Nachhinein hat mich mein Instinkt nicht
getrügt, der mir geraten hat, eine Saumführung, einen Bandeinfasser, und einen
Mittelkantenfuß dazu zu kaufen. Ein paar Nadeln und Schnikschnack, machen dann
aus den gut 600,-€ schnell mal 800,-€. Die Zubehörteile erleichtern den
Einstieg in das Nähen mit der Coverlock und sichern auch schon am Anfang ein
hohes Maß an Qualität. Zudem funktionieren die Zubehörteile tatsächlich, wie in
der Werbung gezeigt. Beigefügt ist eine DvD mit Filmen, in denen das Zubehör
vorgeführt wird (leider nur in Englisch). Am gespanntesten war ich beim
Bandeinfasser. Man schneidet sich ein 40-42mm breites Band zu, fädelt es ein,
schiebt die Stoffkante in den Fuß und erhält nach dem Nähen eine mit Schrägband
(ca. 10mm breite) eingefasste super saubere Stoffkante. Da ich bereits schon
einiges an untauglichen Füßen gesammelt habe, war dies für mich eine überaus
angenehme Erfahrung. Bandeinfasser und Saumführung müssen angeschraubt werden
(Abb. 1 mit Saumführung). Die Saumführung macht, dass meine Säume an
Stretchmaterialien jetzt aussehen, als wären sie von der Industrie genäht. Mitgeliefert
wird ein kleiner Anschiebetisch, der etwas weinerlich wirkt, jedoch
gelegentlich gute Dienste leistet. Rein vom Gefühl her habe ich den Eindruck,
dass man von ihr auch einiges an Dauerbelastung abverlangen kann, was sie nicht
nur für Einzeltextilien, sondern auch für Kleinserien interessant macht. Meine
Tests jedenfalls hat sie ganz locker weg gesteckt. Mag sein, dass man seine
T-shirts und die Säume dafür auch mit einer Overlock nähen kann und dafür keine
Coverlock braucht. Jedoch geht der Funktionsumfang der Coverlock über den der
Overlock hinaus. So lassen sich auch breite Hosenbunde mit Gummi (z.B. Shorts)
sehr schnell und sauber absteppen. Da die Maschine auch in der Fläche näht,
sind Verzierungen machbar.
Unterm Strich muss ich sagen, dass die Cover pro eine gute
Maschine mit einem guten Preis/Leistungsverhältnis ist (Ich bewerte sie mit
"gut") die exakt und ohne Schnörkel, Träume und anderen Werbeballast
macht was sie soll. Stretch ist ihre Stärke. Ich würde sie in jedem Fall wieder
kaufen.


Auch bei einer einfachen Maschine lassen sich in einem
kleinen Erfahrungsbericht nicht alle Besonderheiten mit Eventualitäten
darstellen. Wer noch ergänzende Erfahrungen oder gute Tipps hat, immer her
damit.





Bis dann wieder


Stickfuß
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Dienstag, 15. Mai 2018, 16:48

Ein kleiner Erfahrungsnachtrag
In meinem Erfahrungsbericht zur Janome Cover Pro 2000 CPX erwähnte ich das gelegentliche Auslassen von Stichen. Nachdem ich die Ergründung dieses Problems lange vor mich her geschoben hatte, machte ich mich vor einiger Zeit an die Arbeit, um noch einmal alles durch zu testen.
Bei ausgelassenen Stichen ist die Naht nicht geschlossen und droht bei Beanspruchung einfach aufzurödeln. Man muss dann die Stelle reparieren oder aufrödeln und neu nähen. Bei mir kam das zwar relativ selten vor, jedoch war ich es leid, jeder Naht hinterher zu krauchen. Wenn ich eine Maschine habe, dann muss ich mich darauf verlassen können, dass die Naht steht. Letztlich stellte sich heraus: Es waren nicht die Nadeln, nicht die bösen sich kreuzenden Nähte, billige Stoffe, nein, es war einfach nur das Garn. Ich habe diverse Nähgarne verschiedenster Herkunft und Overlockgarne getestet. Erst als ich Stickgarn, das ich nie für diese Maschine verwenden wollte, einlegte, war es mit den ausgelassenen Stichen endgültig vorbei. Stickgarn ist ziemlich dünn und nicht so reißfest wie Nähgarn. Egal, was ich für einen “Acker” zwischen Nähfuß und Transporteur klemmte, die Naht blieb mit diesem Garn immer geschlossen. Das Problem, das viele natürlich haben, ist, dass sie auf große Garnbestände sitzen, die sie bei allen möglichen Gelegenheiten billig geschossen haben (leider gehöre ich selbst auch dazu). Warum also nicht die -lockmachinen damit füttern? Schließlich sind sie ja erwiesene Garnfresser. Dabei ist das Phänomen der ausgelassenen Stiche nicht allein auf Janome beschränkt. Die Maschinen wollen also nicht das Garn, das zu Hause liegt und weg muss, sondern schönes, glattes und dünnes Garn. Da tut sich aber wieder ein Dilemma auf: Viele Näherinnen liebäugeln bei der Anschaffung damit, diese Maschinen für dekorative Zwecke einzusetzen, wofür es möglichst dicken Garnes bedarf das man ordentlich sieht und wofür die Maschinen eigentlich nicht gebaut sind. Natürlich sagen Händler und Hersteller immer und überall, kauft Marke. Dabei gibt es Erfahrungen zu Hauf, dass dies nicht immer des Rätsels Lösung und schon gar nicht immer bezahlbar ist.
Das erste Bild zeigt eine solche typische Testreihe: Die oberste Reihe wurde mit Stickgarn genäht, mit unterschiedlicher Stichlänge und ist vollständig geschlossen, die zweite mit Nähgarn. Die dritte Reihe zeigt eine solche Naht von oben und die letzte Reihe unten, mit Overlockgarn. Diese hat dann ganz rechts doch noch den Geist aufgegeben.
Dies ist beileibe nicht die einzige Testreihe, die ich absolviert habe. Das Ergebnis war aber immer dasselbe.
Also, wer noch das Glück hat, vor der Anschaffung seiner Garnbestände zu stehen, hat die Möglichkeit, etwas Geld zu sparen. Nach dem Motto: Maschine und Garn gehören zusammen und sollten zueinander passen. Das gilt nicht nur für Coverlockmaschinen. Dass die Nadel/n nicht zu oft auf die Stichplatte aufgesetzt haben sollte/n, versteht sich von selbst. Das zweite Bild zeigt eine solche Coverlocknaht mit drei Nadeln von oben an einem Ärmelsaum. Ob feste oder stretchige Stoffe, mit dieser Maschine und dem entsprechenden Garn lassen sich ganz nette Akzente setzen. Stickgarn wird nicht das alleinige Garn sein, das fehlerfrei in diesen Maschinen funktioniert, schließlich lassen sich auch in einer ambitionierten Testreihe nicht die Garne aller Hesteller testen. Mein Problem habe ich jedenfalls für mich ergründet und beschlossen: Die Maschine bleibt bis zu meinem oder ihrem Ende in meinem Maschinenpark.
Gruß Stickfuß
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