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Stickfuß

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Hobbys: Nähen und sticken

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Donnerstag, 26. Juli 2018, 17:13

Nähen lernen – ein langer Weg - Oder der etwas andere Nähkurs 1-4/40

Hallo an unsere Näheinsteiger

Wie Ihr unschwer erkennen könnt, gibt es im Netz unzählige Filmchen darüber, was man wie, für sich und andere nähen kann. Sie sind oft inhaltlich gut strukturiert,
funktionieren aber meist nach dem Motto schnell gesehen und noch schneller vergessen – Erst recht, wenn Ihr die vorgestellten Artikel nicht selbst nach genäht habt.
Die Anfertigung komplexer und hochwertige Kleidungsstücke wird eher seltener und auch nur von Profis dargestellt. Ganz sicher kann ich niemandem etwas neues darüber
erzählen, wie man was näht, wie der Weg zur erfolgreichen Näher/rin aussehen kann, schon eher, denn mit ein paar Videos ist es nicht getan, Theorie ist wichtig, doch nähen
lernt man nur durch nähen. Auch mit den Büchern ist das so eine Sache. Ihr Umfang ist meist sehr schmal, auf einen bestimmten Arbeitsumfang mit den entsprechenden
Zielgruppen ausgerichtet. Hochwertige Bücher von guten Fachleuten kosten berechtigter Weise ihr Geld. Das zu seinem Lerntypus passende Lernmedium zu finden, gleicht bei
der schier grenzenlosen Auswahl an Buch- und Videotiteln dem Suchen nach der Nadel im Heuhaufen. Alle diese Lernmaterialien nützen nichts, wenn man keinen Plan hat und
nicht die nötigen Eigenschaften wie Disziplin, Ausdauer und Zielstrebigkeit mit bringt.

Schauen wir einmal nach, was die orthodoxe Schneiderlehre für ihre „Reisenden“ am Anfang empfiehlt: „Du sollst als erstes kümmern dich um deinen Arbeitsplatz.“
Hier gehen also gleich am Anfang die Welten zwischen Hobby- und Profischneiderei auseinander. Während die Profis genau wissen was sie wollen, in ihren Läden selbst auf engstem
Raum ihre Dienstleistungen realisieren können, haben es Hobbynäher deutlich schwerer. Denn wie groß das Hobby aufgezogen werden kann, hängt zu aller erst vom zur Verfügung
stehenden Platz ab. Es scheint wie eine riesige Baustelle, bei der man nicht weiß, wo man anfangen soll. Glücklich sind all jene, die wenigstens einen kleinen Raum unterm Dach
oder im Keller haben. Zudem gilt es immer wieder Teufelskreisläufe zu durchbrechen: Wie soll ich einschätzen, was ich wann brauchen werde, wenn ich mit allem noch am Anfang stehe?
Ein großer Arbeitstisch, der mindestens so breit ist, wie die nach vorn gestreckten Arme bei vorgebeugtem Oberkörper lang sind, und die doppelte Breite als Länge kann schon als feste
Größe angesehen werden. Das riecht ganz nach Baumarkt. Für sehr beengte Verhältnisse würde ich, wenn auch sehr teuer, echte Nähmöbel empfehlen, weil diese auch ein material- und
Werkzeug bezogenes Ordnungssystem mitbringen. Man kann mit ihnen auf wenig Fläche/Raum viel verstauen und findet alles vergleichsweise schnell wieder. Ansonsten handelt man sich
schnell eine unliebsame Messiecke ein, die unkalkulierbare Reaktionen des Partners hervorrufen können. Wie im wahren Leben ist es hier auch: Nicht die fachlichen Probleme in Bezug auf
das Nähen stellen Euer Hauptproblemfeld dar. Es sind die kleinen, alltäglichen, manchmal boshaft ausartenden Dinge, die Ihr managen müsst. Wenn die Maschine etwas lauter ist, als es der
Partner mit einem Feierabendbier aushält, dann müsst Ihr rechtzeitig mehr Bier ranschaffen. Na ja, oder so… Die Einteilung von Kraft, Geld und Nerven stellt allein schon hohe Ansprüche.
Rechnet immer damit, dass es nicht bei einer Maschine bleibt, eine Overlock ist meist nicht weit. Meist folgt auch nach wenigen Jahren schon eine höhere Version der vorhandenen
Nähmaschine oder gleich eine „viel“ bessere. Rechnet immer mit der Gier der Phantasie. Daran ist nicht unbedingt die Werbung allein schuld. Das Unterbewusstsein merkt sich auch
Zeiten des Mangels aus der Kindheit. Wenn sich im Erwachsenenalter die Gelegenheit bietet, den Entzugsschmerz von damals zu kompensieren, Genugtuung zu erlangen, brechen mitunter
alle Dämme. Ich habe schon des öfteren Maschinenanschaffungen beobachtet, die jenseits einer vernünftigen Ökonomie in Bezug auf das Familieneinkommen standen. Das ist nicht nur bei
Autos so. Also, rechtzeitig ans sparen denken – Weniger Bier für den Partner… Die Frage nach der richtigen Maschine wird immer und immer wieder gestellt und kann nie treffend beantwortet
werden, weil sich dies immer nach dem Qualikationsstand ders Näherins, den zu erwartenden Projekten, den Komfortwünschen und dem Geldbeutel richtet. Fangt mit einer einfachen,
preiswerten Maschine an, wenn Ihr Euch entsprechend weiter entwickelt, wird es längst nicht die Letzte sein.
Die Beleuchtung ist bei allen Arbeitsschritten ein riesiges Thema, nicht nur an der Maschine. Auch Zuschneiden, eventuelle Anproben, alles braucht ordentliches Licht. Die Qualität des
Nähgutes und Eure Augen werden es Euch danken. Mit Blick auf die Stromkosten sind aktuelle Leuchtmittel angesagt. Das bereichsweise Zuschalten von Lampen macht Sinn. Mit einer
Stadionbeleuchtung im Zimmer hält man's auf Dauer auch nicht lange aus. Man muss auch hier wieder seine Bedürfnisse analysieren. Manch einem reicht das Licht der Nähmaschine und
eine kleine Tischleuchte. Ein anderer wünscht sich mehrere Halogenstrahler, um nebenbei gleich mal ein „Sonnenbad“ zu nehmen. Erwähnenswert ist das deshalb, weil auch im
Beleuchtungsbereich die Kostenspanne erheblich sein kann. Jedenfalls, einen guten Heimwerker zu Hause zu haben, kann nicht schaden.
Nähern wir uns einem Bereich, der dem Nähen zugewandter ist, dem Bügeln. Leider gibt es hier für meinen Geschmack eine nicht ausreichende Auswahl an Bügelgeräten/-helfer.
Das Standardbügelbrett mit Dampfbügeleisen ist für das allgemeine Wäscheaufkommen gut geeignet, für die Arbeit am Tisch eher nicht. Hier sind häufig Nähte auseinander zu bügeln,
mitunter Kragenspitzen und andere Kleinteile in Form zu bringen. Dazu braucht man nicht unbedingt die fette Dampfe. Ein trockenes, kleines Eisen mit einer guten Spitze, auf einer
kleinen Fläche (Ärmelbrett mit einer Leiste verlängert) leistet hier viel bessere Dienste, genauso wie speziell zugeschnittene Holzteile, die man in schwer zugänglichen Nähbereichen
einschieben kann. Großes Bügelbrett und Dampfe helfen Euch z.B. beim Ausbügeln fertiger Kleidungsstücke oder vor Nähbeginn, wenn Ihr neu erworbenen Stoff nicht unbedingt waschen
wollt. Vor dem Zuschnitt einmal kräftig über bügeln (Temperaturbereich beachten) hat einen ähnlichen Effekt in Bezug auf Einlaufschutz, wie waschen. Es macht Sinn, sich gerade am
Anfang mit diesem Thema zu befassen, Händlerofferten zu prüfen. Auch die Bügelstrecke ist genauso wichtig wie die Nähstrecke, Ihr solltet ihr also genauso viel Aufmerksamkeit widmen,
es sei denn, Ihr rennt gern wie Ökofreaks mit knittrigem Leinen durch die Gegend.
Zum Abschluss möchte ich Euch noch ein Buch vorstellen (Abb. 1), das Abschnittsweise in Bezug auf Verständlichkeit zumindest für Einsteiger eher in die Kategorie Katastrophe gehört,
aber es hat etwas sehr wichtiges:
Sein Inhaltsverzeichnis. Es stellt sozusagen den praktischen Fahrplan für alle Nählerner dar. Wenn Ihr zu den Abschnitten, die Nähtechniken behandeln, eine passende Übung näht
(Video bei You tube), seit ihr am Ende nähtechnisch richtig gut drauf. All das setzt natürlich voraus, dass Ihr in der Lage seid, Euch selbst Wissen anzueignen. Wenn Ihr dazu eine ganz
einfache Nähmaschine habt und Eure Übungen mit dünnem, festem Baumwollstoff absolviert, kommt Ihr das erste Jahr ganz locker mit dieser Maschine hin. Oma hat meist soviel Bettwäsche,
dass sie eine ganze Kompanie damit ausstatten könnte. Vielleicht solltet Ihr, ihr beim Platz schaffen helfen… Und nicht vergessen: Immer etwas Treibstoff bereit halten: Kaffee, Vitamine, Spinat…
etwas, das Euren Motor am laufen hält (Abb. 5). Und außerdem, einen Schwitzkasten für den inneren Schweinehund, der dauernd „Mitleid“ mit Euch hat und Euch sagt, dass man dies, oder das,
oder jenes nicht braucht, oder dass mach auch alles später machen kann.

Für Eure erste praktische Übung sucht Ihr Euch am besten ein Video auf YouTube, in dem Euch eine freundliche junge Dame zeigt, wie man einen Geschenkbeutel, Adventskalenderbeutel,
Duftsäckchen oder ähnliches näht. Näht dieses Teil ganz einfach nach, denn… Nähen lernt man nur durch Nähen. Wiederholt diese Übung, falls Ihr mit der Qualität nicht zufrieden seid.
Versucht nicht dauernd etwas nicht zu tun, in dem Ihr Euch sagt: „Na das kenne ich doch schon, das weiß ich doch alles.“ Ihr werdet schon sehen, dass man mit einer Übung nicht immer
auskommt. Erst eine Übung, die vom ersten bis zum letzten Stich gut aussieht, ist eine wirklich gute Übung. Wenn Euch diese junge Dame ihr Video in plärrender, hüpfender oder sonst
wie hirnrissiger Weise ankündigt, solltet Ihr schnell einen anderen Film wählen. Die Auswahl ist riesig groß. Ihr braucht Eure Nerven noch für später. Und wenn Ihr schon beim Videogucken
seid, sucht auch gleich den Nähmaschinenfilm aus der Sendung mit der Maus. In die Suche eingeben: „Das Geheimis der Nähmaschine“ 6,39min. lang, erscheint in der Suchliste ganz oben.
Dieses Filmchen gehört zum grundlegenden Allgemeinwissen für Hobbyschneider, jeder Modedesigner kennt ihn auch, denn es gibt kaum ein Lehrmittel, das die Funktion der Nähmaschine
besser erklärt. Wer schon etwas länger näht aber immer mal Probleme mit dem Faden oder anderes hat, dem seien die Videos von walterlunzer.com empfohlen – Ein Designer, der sich auch
um die Belange von Näheinsteiger kümmert.

So, das war für's Erste 'ne Menge Holz, das ich Euch aufgetragen habe. Viel Spaß beim Grübeln, Gucken und Nähen. Wenn Ihr wollt, machen wir im nächsten Teil weiter. Ich sehe mich keinesfalls
als Nählehrer, sondern eher als strategische Begleitung für Selbstlerner. Wie Euer Weg aussieht und wie weit Ihr gehen wollt, entscheidet Ihr selbst.
Macht's gut, Stickfuß.

Abb. 1: Die neue Nähschule von Burda Style (14.99€) Bassermannverlag.
Abb. 2: Bügeleisen mit Bügelbrett,
Abb. 3: Übersicht Werkzeuge
Abb. 4: Am Anfang reicht diese.
Abb. 5: Treibstoffe
»Stickfuß« hat folgende Bilder angehängt:
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2

Donnerstag, 9. August 2018, 13:40

Hallo zum 2. Teil

Beginnen muss Ich gleich einmal mit einem Nachtrag zur vorherigen Lektion. Dabei geht es um die Fachbegriffe, die Ihr von Anfang an erkunden müsst. Für diese Fachbegriffe gibt es sogenannte Glossare. Selbst dieses Forum hat so etwas. Wer die Fachbegriffe des Nähens kennt, sie übersetzen kann, lernt in Windeseile die von ihnen getragenen Zusammenhänge. Nehmen wir den Begriff „Verstürzen“: In ihm sind gleich drei Arbeitsschritte integriert. 1. Zwei Stoffteile rechts auf rechts aufeinander nähen, dabei eine kleine Öffnung zum Wenden lassen. 2. Nahtzugaben zurückschneiden, 3. Stoffteile durch die Öffnung wenden. Ach ja, Nähen und Nähen ist nicht das Gleiche, oder dasselbe? Was Ihr von Hand näht, ist Nähen, was Ihr mit der Maschine macht, nennt sich Steppen. Ihr könnt selbst entscheiden, ob Ihr das philosophisch vertiefen wollt. Es macht in jedem Fall Sinn, sich mit den Fachbegriffen auseinander zu setzen.
Gegenstand der heutigen Lektion ist der ganze Kleinkram, auch Nähzubehör oder Kurzwaren genannt. Also Kleinmaterialien wie Knöpfe, Reißverschlüsse, Nadeln, Kreide, Garne usw. (Ich spare mir ein Bild dazu) Man kann dazu wieder Bücher empfehlen, die zeigen meist nur wenige Beispiele und die oft aus alter Zeit. Ich finde eine andere Variante, nämlich das Schmökern bei den Händlern viel besser. Erstens gibt es da eine gut strukturierte Übersicht und zweitens eine kurze und knappe Beschreibung dafür, was man mit den jeweiligen Artikeln alles anstellen kann. Zudem lernt Ihr auch mal gleich die Preise kennen. Schneiderbedarf Tappert z.B. ist für Selbstlerner wie geschaffen. Keine Bange, ich bin mit denen nicht verbandelt und habe da noch nie etwas eingekauft. Sie sind mir lediglich, stellvertretend für einige andere auch, bei meinen Streifzügen positiv aufgefallen.
Tappert-Kurzwaren.de Wenn Ihr bei den Händlern auf Streife geht, könnt Ihr Euch gleich mal eine Link-Liste für später, wenn Ihr tatsächlich einkaufen wollt, anlegen. Diese Streifzüge solltet Ihr von Zeit zu Zeit immer mal wiederholen. Erstens mal gibt’s da eine riesige Anzahl von Artikeln und zweitens erkennt man den Sinn mancher Artikel oft erst, wenn entsprechende Projekte anstehen.
Ein weiteres großes Kapitel sind Stoffe (allgemein) und Futterstoffe. Die Beschäftigung damit ist praktisch ein Dauerthema. Hier empfehle ich Euch den Service von Stoffe.de, wo es auch viele Erklärungen zu den Stoffen gibt. Da könnt Ihr Stoffmuster bestellen, um was in der Hand zu haben und vergleichen zu können. Ohne eine weitere Bestellung kostet das zwar ein wenig, Ihr bekommt da aber einen Gutschein drüber, den Ihr bei der nächsten Bestellung einlösen könnt. Die orthodoxe Schneiderei empfiehlt uns heute auch, uns mit dem Maßnehmen zu beschäftigen. Darum werden wir uns kümmern, wenn das erste Kleidungsstück ansteht.
Bei Eurer heutigen praktischen Aufgabe geht es um die Fertigung von Anhängern und Gürtelschlaufen und das Verstürzen. Natürlich solltet Ihr bei der Gelegenheit den Anänger mit einem Herzchen oder Topflappen ergänzen, na ja, oder auch umgekehrt. Da bekommt Ihr es schon mal mit der ersten Einlage zu tun. Eure Topflappen sollen Eure Hände schützen und das Herz kommt mit Polsterung besser. Auf You tube findet Ihr wieder eine riesige Auswahl an Videos dazu. Ich könnt's nicht besser machen, also schaut Euch wieder bei den jungen Damen um und näht nach, was sie Euch zeigen. Wenn Ihr Euch auf die Patchworkvariante einlasst (Flächen auf viele Quadrate bzw. Flicken aufgeteilt), lernt Ihr gleich noch ein bisschen nähen.
Bild 1 zeigt Euch Schrägbandfertigung unter zwei großen Nadeln. Erst die beiden Außenkanten zur Mitte umlegen und bügeln und dann noch einmal der Länge nach falten. Die verbleibende offene Seite mit einem Geradstich absteppen. Daraus wird der Aufhänger.
Bilder 2 und 3: Erst durch den Schrägbandformer ziehen und dann mit der Coverlock alternativ Zwillingsnadel absteppen. Variante taugt eher für Gürtelschlaufen. Kommt immer drauf an, was Ihr habt und machen wollt.
Bild 4 zeigt meine alte Mission Topflappen und Bild 5: Ja, auch ich habe schon mal einen Duftsack genäht. Der hat aber schon einige Geburtstage im Museumssack hinter sich. Die Erkundung von Begriffen wie Schrägband gehört auch heute wieder zu Euren Hausaufgaben. Viel Spaß dann wieder und denkt dran: Ihr seid Selbstlerner, Schweiß und Abenteuer sind in Euch.
Gruß Stickfuß
Fortlaufendes Lernen/Wiederholen: Fachbegriffe, Stoffe, Kurzwaren
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  • 1Unter Nadeln.jpg
  • 2Nach Schrägbandformer bügeln.jpg
  • 3Unter Coverlock.jpg
  • 4Erste Experimente.jpg
  • Duftsäckchen.jpg

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Montag, 17. September 2018, 19:25

Lektion 3

Bevor es weiter geht, eine kleine Rückblende: Ihr habt Euch mit Eurem Arbeitsplatz, Euren Werkzeugen, dem Bügeln, den Stoffen und den Kurz- und Kleinwaren befasst, Duftsack, Topflappen oder ähnliches genäht und wenigstens eine Maschine auf „Maus“-Niveau ergattert.

Im heutigen Teil will ich Euch eine Materialsparte ans Herz legen, die für meinen Geschmack in Büchern und bei Lehrgängen doch ziemlich kurz bei weg kommt. Es geht um die Einlagen. Egal ob hauchdünn, hölzern hart oder volumig fett, Einlagen geben Euren Projekten Charakter und Eigenschaften. Führender Hersteller in D ist die Firma Freudenberg in Weinheim. Ich kopiere mal deren Impressum hier her, damit die Angaben vollständig sind:
Freudenberg Performance Materials Apparel SE & Co. KG
Vertrieb Vlieseline
69465 Weinheim
Deutschland

Das wichtigste ist ihre Netzseite: https://www.vlieseline.com/ Hier findet Ihr deren vollständiges Programm und die Beschreibung der einzelnen Artikel. Ihr müsst das nicht alles auswendig lernen - wissen ist wissen, wo es steht. Dazu gibt es im Downloadbereich einige Schnittmuster, was mich auch gleich zu Eurer heutigen praktischen Aufgabe bringt. Ob bei Freudenberg, oder bei den jungen Damen auf YouTube, sucht Euch eine Aufgabe mit einer Einlage, etwa eine Kosmetiktasche, ein Multibag, Buchhülle oder Aufbewahrungsbox. Ein Nadelkissen wäre nicht unbedingt geeignet, da diese meist mit Füllwatte ausgestopft werden. Wenn Ihr in der vergangenen Lektion Topflappen genäht habt, solltet Ihr bereits mit einer Einlagensorte in Berührung gekommen sein. Für gefütterte Kleidung wäre es noch zu früh. Wichtig ist, dass Ihr das Material kennen lernt. Ihr werdet es lieben.
Die Mädels auf YouTube sind im Umgang mit Begriffen öfter mal etwas sehr tolerant unterwegs, kann sein, dass Ihr deren Begriffe bei Freudenberg nicht findet. Da müsst Ihr selbst mal schauen, was die meinen. Die Anzahl der Vorträge auf YouTube über Einlagen erscheint mir sehr begrenzt. „Nastja“ hat hierzu im Rahmen ihrer Nähtipps ein Video gemacht. Die junge Dame scheint mir etwas durch den Wind zu sein, ist aber dennoch sehr freundlich und einigermaßen erträglich. https://www.youtube.com/watch?v=3VzBtdkxdAg

Bild 1 kennt Ihr möglicherweise schon von meinem kleinen Exposè. Der Starwars Stoff ist normalerweise sehr knorrig und als Dekostoff für Bekleidung eher nicht geeignet. Ihm habe ich von innen eine dünne Einlage (H180) spendiert, was Fall und Griff völlig verändert hat. Freudenbergs Produkte einzusetzen, ist manchmal ein bisschen wie zaubern. Probiert es aus, ich übertreibe nicht.
Bild 2-4 Der schwarze Fleece dient als wärmendes Futter. Auf diesen habe ich noch 3cm Volumenvliece von innen karoförmig aufgenäht. Der blaukarierte Oberstoff ist aus Kochwolle, welcher schmutz- und wasserabweisend ist. Heraus gekommen ist eine Jacke, die auch den Namen Winterjacke verdient, balgen im Schnee inklusive. Kürzlich habe ich noch die Ämel verlängert und dabei gleich die Ärmelabschlüsse geändert, damit unser Sohn sie noch eine Saison tragen kann. Bild 5 zeigt das Innenleben einer weiteren Jacke. Natürlich habe ich auch zu früheren Zeiten bei Accessoires Einlagen verarbeitet, jedoch keine Bilder davon gemacht. Deshalb kann ich Euch auch nur diese von den Jacken zeigen. In der orthodoxen Schneiderei heißt es, dass Einlagen bei Kleidungsstücken genauso zu geschnitten werden, wie die Oberstoffe. Einfach mit einnähen und fertig. Na ja, ganz so einfach ist das dann doch nicht, aber dazu viel später mehr.
Die nächsten Lektionen werden sich weiter mit Grundlagen befassen. Diese müsst Ihr einfach drauf haben, wenn Ihr später mal gute Klamotten oder anspruchsvolle Quilts nähen wollt. Das akkurate Arbeiten von Schlitzen und Briefecken z.B. ist unabdingbar dafür, dass man Euren Rock nicht mit einem Reissack verwechselt.
Mögen Schweiß und Abenteuer wieder in Euch sein.
Gruß Stickfuß
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  • 3Fertigung Innenjacke (1).jpg
  • 4Fertige Jacke (1).jpg
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Montag, 15. Oktober 2018, 16:41

Lektion4

Nadeln, Garne, Handstiche, Maschinenstiche, und Kantenversäuberung

Wie in vergangener Lektion schon angekündigt, geht es heute mit den Grundlagen weiter. Heute dreht sich alles um das offenbar selbstverständlichste Utensil, das sich nicht selten auf unliebsame Weise Beachtung verschafft. Auch Nadeln kommen in vielen Kursen einfach zu kurz. Offenbar glaubt die Fachwelt, dass ein jeder Mensch von Geburt an damit umgehen könne, weil es sich ja um eines der einfachsten Dinge der Welt handelt. Das mag man sehen wie man will, ganz so einfach ist es dennoch nicht. Für Nähnadeln gibt es eine ganz einfache Formel, die Ihr in dem in Lektion 1 vorgestellten Buch auf s. 64 nachlesen könnt: „Je feiner der Stoff, um so feiner und dünner sollten Nähgarn und Nadel sein. Für kleine Stiche eine kurze und für lange Stiche eine lange Nadel verwenden...“ Bei Stecknadeln sieht es ähnlich aus. Hier bevorzuge ich eher längere und dünne Nadeln und vor allem solche, die eine ordentliche Spitze haben und nicht gleich riesige Löcher in den Stoff reißen. Als Anfangserfahrung könnt Ihr das erst mal so nehmen, was Ihr später draus macht, obliegt wie immer Eurer Entscheidung. An dieser Stelle möchte ich auch gleich einen riesigen Irrtum offen legen. Nahezu jeder Näherin, wer schon riesige Runden mit der Maschine genäht hat und tierisch verliebt in seine Mitarbeiterin ist, glaubt, doch irgendwie ohne Handnadeln auskommen zu können. Tut mir leid, falsch gehofft. Ob zum Heften, Ausbessern, Nahtabschluss an schwierigen Ecken und Kanten, zum Versäubern von Kanten bei extrem dünnen und empfindlichen Stoffen, Knöpfe annähen (nicht immer und überall geht das mit der Maschine) oder aber ganz allgemein zum Qualitätserhalt oder zur Zierde, ohne dieses kleine, manchmal boshaft daher kommenden Utensil, kommt Ihr nicht aus. Wollnadeln ohne Spitze werdet Ihr nicht andauernd brauchen, zum fädeln durch Stofftunnel oder fixieren von Overlockketteln leisten sie aber hervorragende Dienste. Auch für Quilter ist spezielles dabei. Deshalb tut Ihr gut daran, Euch beizeiten reichlich damit zu beschäftigen.
Ich empfehle Euch daher, Euch im recht aufgeräumten Sortiment von Stoffe.de ausgiebig umzuschauen (oder eben woanders). Für Maschinennadeln gebe ich Euch den Link zur Fa. Schmetz. Ich denke, mit Schmetz-Nadeln hat niemand Probleme, weshalb ich Euch diesen Anbieter empfehle:
https://www.schmetz.com Hier müsst Ihr Euch ein klein wenig durchhangeln, um zur Pdf-Datei für Maschinennadeln im Hobbybereich zu gelangen: Produkte\Hobbynähen\Bekleidung\Produktsortiment\Pdf DE zum Download (Nadeln für Haushaltsmaschinen) Dafür gibt es auch eine schöne Übersicht hinsichtlich der Farbcodierung und der Anwendung der Maschinennadeln.
Abschließend seien noch die in den vergangenen Jahren aufgekommenen Klammern erwähnt. Theoretisch gehören sie nicht hier her, da sie aber zumindest den Stecknadeln beginnen, den Rang abzulaufen, seien sie hier trotzdem erwähnt. Die Stecknadeln werden sie nicht gänzlich verdrängen, jedoch nutze ich, wo immer es mir praktisch erscheint, die Klammern zuerst, da sie besser greifbar-, etwas stoffschonender sind, und nicht gleich „beißen“.
Auch zum Thema Garne brauche ich an dieser Stelle nicht all zu viele Worte verlieren. Unter Gütermann.com findet Ihr nicht nur Qualitätsgarne, sondern auch die entsprechenden Informationen für Selbstlerner zu den einzelnen Garnsorten.
Der Link https://industry.guetermann.com/de/servi…erierungssystem führt Euch zum Textil unit calculator. Hier findet Ihr das Abrakadabra darum, wie man Garnstärken berechnet bzw. was es mit den Bezeichnungen der Garne auf sich hat.
Die meisten Stoffe franseln an den Kanten bei Bewegung aus, weshalb diese versäubert, geschlossen oder wie auch immer gesichert werden müssen. Das geht natürlich von Hand und mit der Nähmaschine. Durchgesetzt hat sich auch im Hobbybereich immer mehr die Overlockmaschine.
Sie mögen die Zicken unter den Maschinen sein, die Geschwindigkeit und Qualität, mit der man die lästige Arbeit des Kantenversäuberns verrichten kann, ist dennoch beeindruckend. Für mich persönlich ist eine Overlock eine reine Zweckarbeiterin. Verzierungen mit ihr oder ihrer technischen Verwandten, der Coverlock, liegen außerhalb meines Geschmacksempfindens. Bei dünnen Stoffen habe ich es mir zu eigen gemacht, nicht mehr mit vier Fäden, sondern nur noch mit dreien (die beiden Greifer und eine Nadel) zu steppen. Dann wird die Kante nicht so dick. Wer vom Kantenversäubern mit Overlocks noch nicht so klare Vorstellungen hat, sollte sich wieder eines von unzähligen Videos auf You Tube dazu ansehen. Neueinsteigern empfehle ich, ein Modell zu kaufen, das eine excellente Beschreibung möglichst auch auf DvD mitgeliefert bekommt. Auf die Zahl der Stichmuster oder Display kommt es nicht an. Von Kombimaschinen (Over-/Coverlock) würde ich als Einsteigermaschine ebenfalls abraten. In erster Linie kommt es darauf an, die Garne exakt einzulegen und dann vielleicht noch die Fadenspannungen richtig einzustellen. Wenn sie keine Ketteln produziert, stimmt meist in diesem Bereich etwas nicht. Wenn Ihr glaubt, fünf Mal richtig geguckt zu haben, dann versucht es noch ein sechstes oder siebentes Mal. Irgendwann klappt es...
Für das Kantenabsteppen mit der Overlock braucht es, wie überall, etwas Übung, vor allem, bei kurvigen Kanten.
Wie Ihr Euch denken könnt, liegt Eure heutige praktische Aufgabe bei Näharbeiten von Hand: Gebt bei You Tube einfach 'Handstiche nähen' ein und näht, was Euch gezeigt wird, einfach nach. Den einfachen Geradstich und den Matratzen-, Leiter-, Zauberstich oder wie er sonst so heißt, werdet Ihr mit Sicherheit brauchen. Ich rate Euch aber auch dringend dazu, ein paar andere nach zu nähen. Dazu näht Ihr noch etwas, das ihr aus diesem Bereich gebrauchen könnt, wie z.B. ein Handykondom, ein Utensilo, Laptophülle, in You Tubes großer Kiste findet Ihr immer etwas. Übrigens bieten auch Schmetz und Güterman auf ihren Seiten einige kostenlose Schnittmuster an, an denen die Damenwelt meist nicht vorbei kommt.
Der zweite Teil besteht aus Übungen mit der Nähmaschine. Probiert alles aus, was geht. Dünne Stoffe, dicke Stoffe, dicke und dünne Nadeln auf dünne Stoffe, Zierstiche, Knopflöcher, kurvige Nähte usw. Ihr müsst Eure Maschine so gut es geht kennen lernen, dann wisst Ihr beim nächsten Kauf, worauf es ankommt und braucht nicht die anderen zu fragen, die Euch so wieso keine sinnvolle Antwort dazu geben können. Wer schon eine Overlock besitzt, sich aber bis jetzt noch nicht getraut hat, sollte nun endlich beginnen, ein paar Stoffkanten und das Einfädeln zu üben.
Möglicher weise merkt Ihr langsam, dass es Zeit wird, sich einen Vorrat an verschiedenen Stoffen zu zu legen. Ich sage immer: Oma hat… Auch das Zerlegen alter Kleidungsstücke kann durchaus sehr lehrreich sein. Längere Hosenbahnen durch die Overlock zu rattern, macht zumindest anfangs einigen Spaß.
Für heute heißt es wieder: Mögen Schweiß und Abenteuer in Euch sein!
Gruß Stickfuß

Bild 1: Nadeln über Nadeln…
Bild 2: Textilklammern, die Alternative zu Stecknadeln
Bild 3: Eine Overlockkette fixieren
Bild 4: Große Nadeln zum Schrägband machen
Bild 5: Ob zum Schließen kaputter Nähte, fixieren von Belegen, Kragen- oder Saumabschlüsse, mit
der Nadel ist man schnell mal unterwegs.
[/size]
»Stickfuß« hat folgende Bilder angehängt:
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  • 2Alternative zu Stecknadeln.jpg
  • 3Overlockkettel.jpg
  • 4Schrägband machen.jpg
  • 5Kapuzenbeleg.jpg

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Stickfuß« (15. Oktober 2018, 16:49)


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